Warum ich nie nichts tue

Ich habe frei heute. Seit längerem freue ich mich auf diesen Tag, denn ich wollte einfach mal nichts tun. Das Wetter ist bombastisch und direkt nach dem Aufstehen habe ich eine Runde Yoga gemacht, dann noch eben schnell
die Wäsche, wo ich schon mal frei habe, kann ich die dann ja auch gleich noch aufhängen. Und wo ich schon mal keine Termine habe, kann ich ja auch eben noch durch die Küche wischen. Auf dem Boden entdecke ich riesige Schuhabdrücke meines Freundes, also flott mit dem Staubsauger rüber. Um 11 Uhr merke ich, dass ich noch nicht gefrühstückt habe.

Wo bitte ist die Entspannung? Ich erwische mich leider immer wieder dabei, an Tagen, an denen ich eigentlich so gar nichts machen will, einen riesigen Korb an Aufgaben zu erledigen. Warum? Ich habe ja Zeit dazu. Denn in meinem Terminkalender, der mir sonst den Tag durchtaktet, steht nicht 10-15 Uhr chillen. Da steht einfach gar nichts und das ist genau die Crux. Am Ende des Tages bin ich dann überhaupt nicht entspannt, sondern habe all die Dinge abgearbeitet, die im Laufe der Woche so angefallen sind.

Jetzt sitze ich im Garten, im Schatten der großen Kastanie und selbst hier muss ich mich zwingen, nicht wie ein Stehaufmännchen alle nas lang aufzuspringen. Erst habe ich mein Getränk vergessen, gerade wieder hingesetzt, kommt der Postbote. dann fällt mir ein, dass die zweite Waschmaschine fertig ist. Jetzt musste ich grad mal unterbrechen zu schreiben, weil eine Nachbarin vorbei gekommen ist. Oh ich glaube ich hab mein Handy drinnen liegen lassen. AAAAHhhhh Warum schaffe ich es nicht, mich auf eine Sache zu konzentrieren? Vor allem, wenn die aus einer so vermeintlich einfachen Aufgabe besteht, nur da zu sitzen.Warum folge ich jedem Gedanken, der in meinem Kopf aufblinkt, unmittelbar, als handele es sich um eine Alarmglocke? Wahrscheinlich bin ich darauf programmiert. Ich habe Angst, wichtige Gedanken zu vergessen, deswegen gehe ich die Sachen sofort an, sobald ich daran denke. Aber was macht das aus mir? Ein multitaskendes, gehetztes Nervenbündel, dass sich auf viele Dinge gleichzeitig, aber auf keine mehr richtig konzentriert.

Ich schließe bewusst die Augen. Atme ein und aus. Das Vogelgezwitscher kommt mir mit einem Mal viel lauter vor als eben. Ansonsten höre ich nichts, nur meinen Atem. Ich fange an, mich daran zu gewöhnen. Ich atme. Und zwar richtig tief, mein gesamter Brustkorb und mein Bauch hebt sich und senkt sich im Takt. Ich frage mich, wie flach ich eigentlich vorher geatmet habe? Die Gedanken schnellen zwar immer noch durch meinen Kopf wie eine Autobahn aber ich folge ihnen nicht mehr ganz so schnell. Bevor ich das nächste Mal aus meinem Stuhl aufschnelle, werde ich bewusst 3 mal tief einatmen. Das ist die einfachste Meditation der Welt und doch so effektiv.

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